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Influencer Round Table im Bundeskanzleramt

Ein Gastbeitrag von Theresa Hein

Im Sommer diesen Jahres gab es eine große Empörungswelle auf Instagram, die mit dem publik werden des Urteils von Bloggerin Vreni Frost zu tun hatte: Der Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) hat sie abgemahnt, weil sie bestimmte Marken und Unternehmen auf ihren Profilen verlinkt hat.

Theresa Hein, Gründerin @hannoverlife

Influencer Round Table im Bundeskanzleramt

Unsicherheit verbreitete sich. Auch bei uns, bei Hannoverlife. Den Instagram-Account Hannoverlife habe ich vor drei Jahren gegründet und berichte seither über die Stadt Hannover, Locations und den dortigen Lifestyle. Ja, an alle Skeptiker: Hannover ist eine schöne Stadt! Hannoverlife hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und als ich vor einem Jahr entschlossen habe, mein Studium in politischer Kommunikation in Berlin fortzusetzen habe ich das Team Hannoverlife aufgebaut. Jetzt sind wir sechs Frauen, die das Pflänzchen Hannoverlife mit knapp 20.000 Followern pflegen und wachsen lassen.

 

Politische Kommunikation über Instagram

 

Aber nicht nur wir waren unsicher. Viele Influencer machten ihre Sorgen und persönlichen Erfahrungen öffentlich. Ich vermute stark, dass unsere Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, auch über Instagram auf das Thema aufmerksam geworden ist. Sie gehört zu den wenigen Politikern, die das Medium verstanden haben und authentisch nutzen. Liebe Politiker, wenn ihr euch neuen Technologien hingebt, seht ihr an diesem Beispiel, dass ihr auch darüber Themen setzen und erkennen könnt. Instagram als Kanal für die Vermittlung von Missständen, die im Endeffekt zu einem Treffen in der realen Welt geführt haben – auch politische Kommunikation hat sich verändert, chapeau.

 

Influencer "Runder Tisch" im Bundeskanzleramt

 

Am 20.11.2018 war es dann soweit. Influencer und Marketing-Experten wurden ins Bundeskanzleramt zum „Runden Tisch Influencer“ eingeladen. Neben uns Influencern waren auch Vertreter der Bundesregierung anwesend. Zum einen Dorothee Bär, aber auch Gerd Billen (Staatssekretär aus dem Justizministerium), Stefan Schnorr (Leiter der Abteilung Digital- und Innovationspolitik aus dem Wirtschaftsministerium), Heike Raab (Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund für Europa, Medien und Digitales) sowie Cornelia Holsten (Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt).

 

Nach einer Vorstellungsrunde seitens der Bundesregierung hat Cornelia Holsten von der Bremischen Landesmedienanstalt den neuen Leitfaden der Medienanstalten zur „Werbekennzeichnung bei Social Media-Angeboten“ vorgestellt (hier nachlesen: https://www.die-medienanstalten.de/fileadmin/user_upload/Rechtsgrundlagen/Richtlinien_Leitfaeden/Leitfaden_Medienanstalten_Werbekennzeichnung_Social_Media.pdf).

 

Ein guter Schritt. Aber ist er geeignet für die Praxis? Schwierig, weil er an einigen Stellen sehr schwammig ist und nur Empfehlungen herausgibt, die einen nicht vor einer Abmahnung schützen. Ein Beispiel: Der Leitfaden besagt: Freunde markieren ohne Kennzeichnung von „Werbung“ ist in Ordnung. Es sei denn die Darstellung ist ZU positiv. „Zu positiv“ wäre für mich „Folgt unbedingt ihrem Profil, meine Freundin ist die Beste“ – für andere ist „zu positiv“ sicherlich eine andere Definition. Das bringt uns Influencer nicht weiter. Bei dem Gespräch wurde uns dann geraten: Lieber vorsorglich kennzeichnen oder einen Puffer an Geld zur Seite legen, falls eine Abmahnung hereinflattert. Mein Team und ich entscheiden uns für ersteres.

 

In den sozialen Medien gibt es keine Freunde

 

Hier liegt das Problem: Laut der medienrechtlichen Perspektive, die die Landesmedienanstalten, vertreten muss man Freunde und Orte nicht als Werbung kennzeichnen (gemeinwohl- und demokratiefördernder Ansatz). Jedoch das Wettbewerbsrecht vertritt eine andere Perspektive. Nämlich: Es gibt keine Freunde in den sozialen Medien. Alles ist Werbung. Sei es Lebenspartner, das Profil vom #instadog oder die beste Freundin. Und da kommt dann der Verband für sozialen Wettbewerb ins Spiel. Er urteilt nach der wettbewerbsrechtlichen Perspektive und mahnt daher ab, was das Zeug hält. Dabei mahnt er nicht nur große Accounts ab. Jeder Account, egal wie viele Follower er besitzt. Es reicht, wenn man für ein Produkt geworben hat, dann betreibt man direkt schon einen kommerziellen Account. Also obacht, so schnell kann es gehen. Doch was können wir tun?

 

Die Entscheider müssen das Internet verstehen

 

„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte einst unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ja, es ist Neuland. Besonders für Personen, die aktuell in Entscheiderfunktionen sitzen. Das ist nicht verwerflich, da sie nicht so stark mit den digitalen Medien sozialisiert worden, wie unsere Generation. Ich finde es gut, dass Dorothee Bär den Dialog zu uns sucht. Der Dialog darf nur nicht abbrechen. Die wichtigsten Punkte in Bezug auf die Werbekennzeichnung aus dem Gespräch habe ich noch einmal für euch zusammengefasst:

 

- Richter sollen besser für diese Thematik geschult werden

- Aufnahme der Thematik in den 23. Medienstaatsvertrag

- Gesetze anpassen: Forderung von Regulierung und gesetzlichen Rahmen

- Grenzfragen klären – was ist privat und was nicht? Forderung nach verlässlichen Angaben, besonders wie Freunde, Orte und Events zu kennzeichnen sind

 

 

Wir haben aber nicht nur über die Abmahnwelle gesprochen, sondern auch über weitere Herausforderungen beim Online-Business. In Deutschland, im Land der Ideen und Innovationen, wäre es ja schade, wenn kleine Pflänzchen direkt im Keim erstickt werden. Deswegen haben wir auch in diesem Bereich Punkte angesprochen und gefordert. Diese Punkte sind mir dabei besonders im Kopf geblieben:

 

-Sicherheit für unser Berufsfeld: Forderung von Ansprechpersonen seitens der Plattformbetreiber (bei Instagram und Facebook), die einem helfen, wenn bspw. der Account gehackt wurde

- Ethische Vorsätze und Qualitätssiegel: Mehr Transparenz bei gekauften Followern

- Vom Hobby zum Beruf: Forderung nach besseren Beratungsangeboten bezüglich Instagram-Business

- Den Demokratieanspruch von Medienangeboten auch in der digitalen Welt anerkennen

 

 

Was bleibt?

 

Im Grunde geht es darum, dass es nicht sein kann, dass neue Ideen und Geschäftsmodelle im Keim erstickt werden. Erstickt werden sie massiv durch Abmahnwellen. Wie Dorothee Bär so schön gesagt hat, fand die Industrialisierung auch erstmal statt und Gesetze wurden angepasst. So muss es jetzt auch sein. Nur sind wir im digitalen Zeitalter angekommen und machen mit dieser Debatte ein ganz neues Fass rund um neue Geschäftsmodelle und die Zukunft der Arbeit auf.

 

Am besten ist es, die Diskussion öffentlich zu halten, damit sie nicht aus verschwindet. Mit dem Gastbeitrag will ich einen Beitrag dazu leisten. Ich denke, es lohnt sich, sich für die Legitimität unseres Tätigkeitsbereiches einzusetzen, sei es ein Hobby oder schon ein sich rentierendes Geschäftsmodell.

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