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Hashmag Stories

„Deutschland legt leider mehr Wert auf Reality Stars aus Shows wie dem Bachelor oder Dschungelcamp als auf Mode und stylische Leute.“ – Blogger Riccardo Simonetti von fabulousricci.com hat seine ganz eigene Meinung zur deutschen Modeszene. Welche Erfahrungen er gemacht hat und wie er die Zukunft der Berliner Fashion Week einschätzt – wir haben nachgefragt.

 

Wie waren deine ersten Eindrücke zur Fashion Week in diesem Jahr?

Super eigen und auch ein wenig ernüchternd! Alles lief ein wenig anders ab, viel wurde über den Haufen geworfen und auch der Glam hat zum Teil gefehlt, was nicht zuletzt auch daran lag, dass die Stylenight von Michalsky in dieser Saison ausgefallen ist. Aber wenn ich mich an die Fashion Week vor zwei Jahren zurückerinnere, waren nicht nur die Kollektionen der Designer deutlich hochwertiger, auch vor dem Zelt war viel mehr Trubel und auch eine größere Menge an Fotografen im Einsatz. Ich habe die Fashion Week zum ersten Mal mit 19 Jahren besucht. Damals hatte ich ein Primark-Outfit an und die Fotografen sind richtig abgegangen. Ich wurde in so vielen Online-Magazinen abgebildet. Heute sieht das ein wenig anders aus. So war etwa die bekannteste Bloggern der Welt, Chiara Ferragni, vor Ort und konnte sich total easy im Fashion Zelt bewegen, während bei der Ankunft von Michaela Schäfer die Fotografen total ausgeflippt sind. Das fand ich wirklich schade, weil ich eigentlich ein großer Fan der Berliner Fashion Week bin. Mich hat dieser Verlauf aber jetzt doch ein wenig geerdet.

Was war dein größtes Highlight?

Die Offside-Show von Marcel Ostertag fand ich wirklich toll. Er hat einen neuen Stil präsentiert, viel erwachsener als bisher. Aber auch die Show von Glaw war großartig – endlich Mal wieder ein bisschen Glamour.  Es waren viele tragbare Sachen dabei, Sweater mit Gold-Prints und bodenlange, schlichte Kleider mit hohem Schlitz und goldenem Höschen drunter. Einfach gut gelungen.

Deine größte Enttäuschung?

Die Planung! Ich fand es schade, dass man so tolle Shows wie Holy Ghost, die Marcel Ostertag Show und die Stylight Awards fast zur selben Zeit gebracht hat und man sich für eine Show entscheiden musste, während die restlichen Tage eher mau ausgefallen sind. Das hätte man definitiv besser machen können!

Wie schätzt du die Zukunft der Berliner Fashion Week ein?

Deutschland legt leider mehr Wert auf „Reality Stars“ aus Shows wie dem Bachelor oder Dschungelcamp als auf Mode und stylische Leute. Außerdem sollte man den Blick nicht immer nur auf das Ausland richten und auf das, was die Stars dort tragen. Es gibt genug gutgekleidete Leute in Deutschland, aber die sieht man auf der Fashion Week leider nur selten. Das Zelt sieht aus wie die Berliner Fußgängerzone. Man könnte sich deutlich mehr Mühe geben und sich auch mal etwas trauen. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass die Sommersaison noch lower und billiger wird. Aber ein Ende für die Berliner Fashion Week sehe ich nicht, schließlich wissen die Verantwortlichen genau, dass man so ein Event hier braucht, um auch international mithalten zu können. Wenn man am Boden liegt, kann es ja nur noch Berg auf gehen. Aber dafür muss sich wirklich etwas ändern.

Blogger auf der Fashion Week. Wie siehst du das?

Das hat sich über die Jahre definitiv verändert, denn es sind deutlich mehr Blogger auf der Fashion Week unterwegs als früher. Viele wünschen sich ja, dass nur große Blogger eingeladen werden, aber das fände ich wirklich schade. Schließlich ist die Fashion Week eine tolle Gelegenheit, um neue Kontakte zu knüpfen und weiter voran zu kommen. Berlin ist ein gutes Sprungbrett für deutsche Blogger, die noch kleiner sind. Hat man die ersten Schritte gemacht, sollte man versuchen, seine Ziele höher zu stecken. Man könnte zum Beispiel den Schritt ins Ausland wagen oder versuchen, gute Kooperationen an Land  zu ziehen. Leider haben wir hier aber auch das Problem, dass viele Blogger sich in ihrem Stil sehr ähneln und damit das typische Blogger Klischee erfüllen – nämlich, dass alle gleich sind. Hier würde ich mir statt dem gewöhnlichen Einheitsbrei einfach ein wenig mehr Vielfalt wünschen.

Wenn du nicht Bloggen dürftest, was würdest du stattdessen tun?

Ich blogge ja jetzt schon nicht nur, sondern schreibe auch für andere Magazine, arbeite als Model und Schauspieler. Ich könnte mich nie nur auf eine Sache reduzieren, weil mir so viele Dinge Spaß machen. Ich brauche Abwechslung, um mich kreativ ausleben zu können. Aber Fernsehmoderation wäre schon echt mein Ding, da ich zwei Leidenschaften – das Schreiben und Sprechen – perfekt miteinander verbinden und dabei auch noch ein gutes Outfit tragen kann. Da hätte ich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Bist du aufgeregt, wenn du wie hier auf dem FashionBloggerCafé  vor vielen bekannten Gesichtern als Model präsentierst?

Für mich ist so ein Auftritt immer aufregend und es wäre schlimm, wenn ich keine Aufregung mehr spüren würde. Schließlich macht mir das Modeln Spaß. Natürlich ist sowas auch immer von verschiedenen Faktoren abhängig. Alice ist ein echt tolles Mädchen, bei dem du dich einfach wohlfühlst, wenn sie dich raus in die Menge schickt. Du hast dann einfach nicht mehr die Angst, irgendetwas falsch zu machen. Aber es wäre natürlich gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht aufgeregt war. Du sitzt da eine halbe Stunde, lässt dich von den Leuten fotografieren, gibst danach Interviews. Das ist schon eine spannende Sache. Ich mag das aber sehr, ansonsten wäre mein Leben echt langweilig.

Wie bereitest du dich auf solche Auftritte vor? Gibt es ein Beauty-Treatment oder hast du ein bestimmtes Ritual?

Wichtig ist für mich nur, dass Haare und Augenbrauen richtig sitzen. Wenn das stimmt, kann ich auch mal über den ein oder anderen Glanzpunkt im Gesicht hinweg sehen. Im Idealfall wäre ich frisch rasiert, abgepudert und die Augenbrauen wären nachgezogen, damit das Gesicht schärfer aussieht. Das einzige, was mich so richtig stresst, ist die nicht vorhandene Zeit auf der Fashion Week. Du hast so viele Termine auf dem Plan, Fotos und Interviews sind gewünscht und man selbst will ja die Highlights der Fashion Week auch miterleben. Also, muss man gezwungenermaßen seinen Plan reduzieren. Zeitmanagement ist aber leider nicht so meine Stärke. Ich bin eher der chaotische Mensch und muss dann mit dem ein oder anderen Lindsay Lohan Moment leben, wenn ich wieder 20 Minuten zu spät komme. Aber ich arbeite daran (lacht).

Was ist dir auf der Fashion Week wichtiger – die Shows, um Content für deinen Blog zu bekommen oder doch die Events, um Kontakte zu knüpfen?

Ich finde, Shows müssen schon sein, da sie dich inspirieren und dein modisches Know-how auf den aktuellen Stand bringen. Aber wenn du weiter kommen willst, sind Events und Partys eindeutig wichtiger und eine gute Plattform, um Leute kennenzulernen, sich auszutauschen und zu präsentieren. Insgesamt hat mir die Fashion Week als Person des öffentlichen Lebens und als Blogger schon sehr viel gebracht. Zudem hast du einfach mal eine ganze Woche, in der du dich nicht rechtfertigen musst, warum du dich so anziehst, wie du dich anziehst. Eher wird man  dafür geschätzt, wenn man sich kreativ auslebt. Das bringt ein sehr befreiendes Gefühl mit sich, welches ich jede Saison aufs Neue liebe und auch ausnutze.

Was war abschließend dein ganz persönlicher Fashion Week Moment? 

Heute gab es zum Beispiel die Situation, dass ich von einem jungen Blogger gefragt wurde, was ich denn hier auf dem FashionBloggerCafé mache. Ich hätte ja schon so viel erreicht und bräuchte daher so ein Event gar nicht mehr zu besuchen. Über ein solches Kompliment freut man sich natürlich sehr. Aber wenn ich überlege, wo ich vor einem halben Jahr noch stand. Ich hatte an jenem Tag nur eine Show auf dem Zettel, also habe ich mich auf dem Weg zum FashionBloggerCafé gemacht, um gute Freunde und andere Blogger zu treffen. Am Ende hatte ich nicht nur einen tollen Tag, sondern bin zufällig auch auf euch gestoßen. Ihr habt mich fünf Minuten interviewt, und bereits einen Monat später kam die Anfrage für das HashMAG Covershooting. Das war eine große Chance, für die ich wirklich sehr dankbar bin und die das Bloggen und meine Kredibilität noch einmal auf ein völlig neues Level gehoben hat. Ich habe das als gute Möglichkeit gesehen, um den Leuten mehr von mir und meiner Botschaft zu zeigen. Und wenn jemand mit seinem Blog noch am Anfang steht und ich ihm auf einer solchen Veranstaltung Fragen beantworten und inspirieren kann, dann mache ich sowas gerne, schließlich war ich vor einem halben Jahr noch in seiner Position. Ich möchte meine Erfahrungen einfach weitergeben und zeigen, dass man die Chancen, die man bekommt, auch wahrnehmen und nutzen muss. Dann kann man es nicht nur in der Bloggerszene weit schaffen!

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