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Streetstyle

Interview mit Designerin Jennifer Brachmann

Edle Anzüge in gedeckten Farbtönen, Trenchcoats und Hemden mit subtilen Details, die man erst auf den zweiten Blick erkennt. Gestern präsentierte das Label Brachmann im Rahmen einer Stage-Show ihre Frühjahrs-/Sommerkollektion 14/15 mit Fokus auf „postclassical“ Menswear. Wie bei der Designerin Mode und Architektur zusammenkommen, welche Stadt sie besonders inspiriert und worauf die Modeschöpferin bei ihren Entwürfen Wert legt – wir haben nachgefragt.

Jennifer, vor der Gründung Ihres Labels BRACHMANN in 2012 haben Sie an der TU Dresden Architektur studiert, gefolgt von einem Modedesignstudium in Halle. Inwiefern spielt ersteres bei Ihren Kollektionsentwürfen eine entscheidende Rolle?

Während meines Architekturstudiums habe ich drei Sachen gelernt, die auch meinen Designansatz in der Mode stark beeinflussen. Da ist das konsequente Arbeiten entlang von Gestaltungsprinzipien, wie dem modularen oder funktionalen Gestalten, zu nennen. Daneben hilft mir, glaube ich, beim zweidimensionalen Entwerfen für den menschlichen Körper das räumliche Denken und Vorstellungsvermögen sehr, das ich in der Architektur gelernt habe. Und schließlich interessieren mich die im Vergleich zur Mode relativ zeitlosen Formen der Architektur.

Wie gestaltet sich Ihre Inspirationsfindung, womit beginnen Sie Ihren Arbeitsprozess?

Unser Anspruch bei BRACHMANN ist, die Klassiker Männermode zu modernisieren, wobei Ausgangspunkt immer die Klassiker selbst sind. Hauptquelle der Inspiration sind immer bestimmte Formen bestimmter Klassiker wie zum Beispiel die Passe und Klappe beim Trenchcoat, bestimmte Falten des Norfolksakkos oder der Schoß eines Cutaways. Diese Formen greife ich auf, spiele mit ihnen, kombiniere sie miteinander, so dass Crossover aus verschiedenen Klassikern entstehen, die einerseits neu, andererseits aber auch vertraut sind. Die entstandenen neuen Formen und Schnitte unterstreiche ich dann noch durch die Wahl des Materials, etwa durch Fadenlaufrichtungen oder subtile Farbkontraste.

Welche Stadt ist architektonisch, aber auch modisch für Sie besonders inspirierend?

Die Inspiration für meine erste Herrenkollektion habe ich in Paris erhalten, so kitschig das jetzt auch klingen mag. Das war während des Studiums, als unsere Seminargruppe die Première Vision besucht hat. Paris ist zum einen sehr schön, zum anderen achten die Männer sehr auf ihr Aussehen und ihre Kleidung. Die Inspiration für meine Diplomkollektion und für die Idee, die Klassiker der Herrenmode durch die Übertragung von Gestaltungsprinzipien aus der Architektur zu modernisieren, habe ich in Tokyo bekommen. Im Stadtbezirk Shibuya waren die Männer sehr gut gekleidet, dabei haben sie europäische Klassiker mit individuellen und speziellen Details getragen. Im Moment mag ich London sehr, dort passiert architektonisch sehr viel, aber natürlich auch in der Mode. Wichtig ist mir aber noch zu betonen, dass es mir immer um die Atmosphäre einer Stadt geht. Es geht nicht darum, Klamotten zu machen, die wie ein Haus aussehen, also z.B. kastig oder kantig sind. Mir geht es um die  Erneuerung der Klassiker, für die ich Gestaltungsprinzipien aus der Architektur auf die Klassiker anwende.

Bei Ihnen zählt vor allem Klasse statt Masse. So legen Sie bei Ihren Entwürfen besonderen Wert auf nachhaltiges Design und hochwertige Materialien.  Wie beschreiben Sie die Kunden, die Ihre Kleider tragen?

Es sind Männer mit einem emanzipierten Geschmacksurteil, mit Stil, Experimentierfreude und Sinn für das Schöne, die wissen, woher sie kommen und wohin sie gehen, Männer, die ihrer Identität auch in der Kleidung zum Ausdruck bringen wollen, dabei aber eher den subtilen Auftritt schätzen.

Wann wurde Ihnen klar, dass Sie Mode für Männer machen möchten und warum?

Während meines  Modedesignstudiums hat sich mein Interesse von Frauenmode allmählich zur Männermode verschoben. Mich hat der Widerspruch interessiert, dass sich in der flüchtigen Mode Kleidungsstücke bewähren, die sich über eine lange Zeit kaum ändern, also gerade nicht aus der Mode kommen. Mich reizt nun, auf diesem Feld der Klassiker einerseits die Gestaltungsmöglichkeiten auszureizen, und dabei andererseits durch die Verankerung in den Klassikern selbst relativ zeitlose Stücke zu entwerfen. Daneben finde ich den Widerspruch interessant, dass es in der Kleidermode, in der es ja auch immer um den Ausdruck von Individualität geht, einen riesigen Bereich der Uniformität gibt. Die Modernisierung der Klassiker bietet meinem Eindruck nach Gelegenheit, diese Uniformität aufzubrechen, um Spielräume für Individualität zu gewinnen, gleichzeitig aber noch die Codes der Klassiker zu respektieren.

Nur ein Jahr nach der Gründung hat Ihr Label im Januar eine eigene Show zur Fashion Week in Berlin erhalten. Auf Anhieb mit solch großem Erfolg zu starten, war eine riesige Chance für Sie. Wie sahen die Resonanzen nach der Show aus?

Wir waren auf die Reaktionen in der Fachöffentlichkeit super gespannt, weil wir die Messlatte mit unserem Anspruch, die Menswearklassiker durch die Übertragung von Designprinzipien aus der Architektur und eine Orientierung am Bauhaus-Stil zu modernisieren, selbst sehr hoch gelegt haben. Nachdem die ersten Reaktionen sehr positiv ausgefallen waren, löste sich die Spannung allmählich. Die „Womens Wear Daily“ schrieb zum Beispiel von einer „triumphant first collection“. Als wir am Sonntag nach der Show dann in der FAS auf einen Look aus unserer Show gestoßen sind, der als einer von zehn Key-Looks der Saison gewählt worden ist, sind wir fast umgefallen. Das war wirklich ein sehr schöner Moment. Seitdem hören die positiven Reaktionen eigentlich nicht auf.  So waren wir Label-to-Watch in der TextilWirtschaft und der WeAr, es gibt Anfragen von Stylisten für Shootings, und die Umsätze ziehen an. Und wir merken auch, dass das Interesse an unserem Label vor der jetzigen Fashion Week wächst. Das lässt natürlich auch bei uns die Anspannung wieder wachsen, ob wir den nochmals gestiegenen Erwartungen wieder standhalten können. In der Mode ist man immer nur so gut, wie die nächste Kollektion.

Haben Sie mittlerweile schon ein paar Stammkunden gewinnen können?

Stammkunden hatte ich schon vor der Berliner Fashion Week im Januar 2014, weil ich bereits seit 2011 als selbständige Modedesignerin arbeite und ein eigenes Atelier habe, in dem ich neben der eigenen Kollektion auch kundenspezifisch arbeite. Also das Label wächst zum Teil auch aus diesem Atelier heraus. Aber ganz klar, die Show auf der Mercedes-Benz Fashion Week hat natürlich auch neue Kunden gebracht, die hoffentlich zu Stammkunden werden.

Der Auftritt bei der Fashion Week war mit großen Kosten verbunden. Neben Eigenkapital haben Sie als Unterstützung eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Haben sich die finanziellen Voraussetzungen nach dem grandiosen Start verbessert?

Das Problem bei unserer Debüt-Show war, dass die Zusage für die Show für uns sehr überraschend und kurzfristig kam . Wir konnten kein Budget planen und mussten dann improvisieren, um die Chance nutzen zu können. Weil nach unserem Debüt schnell klar war, dass wir wieder eine Show umsetzen können, konnten wir nun etwas langfristiger planen. Dazu kommt auch, dass wir durch den Erfolg der Debütshow schon merklich mehr Umsatz machen. Außerdem sind wir durch die Erfahrung effizienter in dem, was wir tun. Obwohl sich damit die finanzielle Voraussetzung für die nächste Show schon stark verbessert hat, muss man sagen, dass diese Präsentationskosten für ein Newcomerlabel ganz schön heavy sind.

Was erwartet uns in der der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2015?

Das Thema ist labeltypisch die Modernisierung der Klassiker der Herrengarderobe. Auf der Basis der eher festlichen oder formalen Klassiker wie Cutaway, Hemd und Weste auf der einen und der eher sportlichen Klassiker wie Norfolksakko, Riding-Breeches sowie Trenchcoat auf der anderen Seite habe ich neue Schnitte und Details entwickelt. Es geht dabei um Crossover verschiedener Klassiker wie z.B. wenn die Weite einer Riding-Breeches aus einer seitlichen Norfolkfalte kommt oder wenn ich den Schalkragen eines Smokings für ein Sakko adaptiere oder wenn ich Westenzitate in Hemden oder  Cutaways einarbeite. Es geht aber auch um die Entwicklung neuer Details, wie zum Beispiel neue Kragenformen beim Hemd. Dabei entwickle ich diese mal mehr, mal weniger offensichtlichen Neuerungen ständig weiter. Für den Sommer habe ich auf leichte und luftige Stoffe aus Naturfasern in gedeckten klassischen Farben zurückgegriffen. Die Kollektion changiert zwischen  sportlich-lässigen avantgardistischen Looks, bei denen es auch kurzärmelige Hemden und kurze Hosen gibt, und festlichen Looks, wobei es um eine minimalistische Eleganz geht.

Haben Sie ein Lieblingsteil?

Ja, heute habe ich mich beim Shooting der Campaign-Fotos damit überrascht, dass ich ein neues Lieblingsteil habe: ein blaues Norfolk-Sakko aus sehr edlem dunkelblauen Leinen.

 Welche drei Teile sollten in keinem Männerkleiderschrank fehlen?

Hemd, Sakko, Trenchcoat.

Was steht als nächstes auf Ihrer To-Do-Liste?

Kurzfristig ein wenig Muße finden, mittelfristig die nächste Kollektion, langfristig eine eigene Frauenlinie.

Was treibt Sie an? Haben Sie ein Lebensmotto?

Als Designer hat man ja immer auch den Anspruch, die Welt ein kleines Stück besser, kultivierter, ästhetischer zu machen, indem man das Nützliche mit dem Schönen verbindet. Also ja, ich will gestalten, Formen in die Welt bringen, die andere in ihrem Alltag nutzen und für ebenso ästhetisch halten wie ich selbst.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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